Einführung
Für Musikbibliothekar:innen, Archivar:innen und ambitionierte Nutzer:innen großer MP3-Sammlungen sind eingebettete Songtexte weit mehr als reine Zierde – sie sind wertvolle Primärdaten, die es zu bewahren gilt. Mit dem Trend zurück zu lokal gespeicherten Musiksammlungen wird es riskant, Texte ausschließlich über Streamingdienste anzuzeigen. Anbieter können Inhalte stillschweigend ändern, entfernen oder falsch ausrichten, wenn sich Lizenzen oder Kodierungen ändern. Genau deshalb ist es entscheidend zu wissen, wie man Songtexte aus MP3-Dateien extrahiert – genauer gesagt aus den eingebetteten ID3‑Feldern UNSYNCEDLYRICS (USLT‑Frames) –, um die Kontrolle über Metadaten langfristig zu behalten.
Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie sich eingebettete Texte zuverlässig erkennen, exportieren und prüfen lassen – auch in großen Mengen. Wir beleuchten grafische Tag-Editoren wie Mp3tag, Kommandozeilen- und Skriptlösungen in Python, sichere Vorlagen für Dateinamen, Strategien mit Sidecar-Dateien und Verfahren, um fehlende Texte für eine spätere Transkription zu markieren. Zudem gehen wir auf rechtliche Aspekte, bewährte Archivierungspraktiken und den Einsatz moderner Tools wie SkyScribe ein, mit denen sich Lücken schließen oder Texte in besser nutzbare Formate umwandeln lassen.
Eingebettete Songtexte verstehen
UNSYNCEDLYRICS vs. online geladene Texte
Ein häufiger Irrtum: „Wenn mein Player Songtexte anzeigt, sind sie bestimmt in der Datei gespeichert.“ Viele Player laden Texte jedoch live aus dem Netz und mischen sie mit eingebetteten Tags, ohne kenntlich zu machen, welche Quelle gerade angezeigt wird. So lässt sich prüfen:
- In neutralem Tag‑Viewer öffnen – Mit Mp3tag, Kid3 oder einem Hex‑Viewer gezielt nach
USLT‑Frames suchen und prüfen, ob dort tatsächlich Text hinterlegt ist. - Offline abspielen – Internetverbindung trennen und prüfen, ob die Texte weiterhin angezeigt werden. Verschwinden sie, waren sie nicht eingebettet.
- Vergleich mit Player-Ausgabe – Manche Player bevorzugen synchronisierte (SYLT) Frames oder eigene Cloud‑Texte gegenüber USLT‑Inhalten.
Beachte: USLT‑Frames können in verschiedenen Sprachversionen (z. B. eng, deu) und mit unterschiedlichen Beschreibungen („karaoke“ vs. „booklet“) existieren, und nicht alle Programme zeigen mehr als den ersten Treffer an. Fehlinterpretationen können zu falschen Annahmen über Datenverlust bei Formatänderungen führen.
Fallstricke bei ID3‑Versionen
Die Version und Zeichenkodierung von ID3‑Tags hat großen Einfluss auf die Sichtbarkeit von Texten:
- ID3v2.3 vs. ID3v2.4: Unter v2.4 in UTF‑8 gespeicherte Texte können für Werkzeuge unsichtbar sein, die unter v2.3 ISO‑8859‑1 erwarten.
- Mehrfachtags: Manche Dateien enthalten gleichzeitig ID3v1-, ID3v2- und APE‑Tags, was zu Inkonsistenzen führt.
- FLAC vs. MP3: FLAC nutzt Vorbis‑Kommentare (
LYRICS) statt USLT‑Frames; ohne eindeutige Zuordnung können Texte nur in bestimmten Kontexten sichtbar sein.
Vor dem Export gilt: Tag‑Versionen soweit möglich vereinheitlichen, um konsistente Ergebnisse in allen Tools zu gewährleisten.
Massenexport mit Tag‑Editoren
Mp3tag Schritt für Schritt
Mp3tag erlaubt den Export anhand frei definierbarer Dateinamen‑Vorlagen. Beispiel:
```
%artist% - %title%.txt
```
Damit wird neben der MP3 eine Textdatei mit den entsprechenden Daten erzeugt. Liegen die Texte in USLT vor, nutzt man den Platzhalter %unsyncedlyrics%; %lyrics% kann je nach Version und Einstellung abweichen.
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen:
- Zeichenbereinigung: Unerlaubte Zeichen in Dateinamen (
/,\`, `:,?,*) entfernen oder ersetzen. - Namenskonflikte vermeiden: Bei gleichlautenden Titeln
%track%oder%album%ergänzen. - Tags bewahren: Export so konfigurieren, dass die Metadaten unverändert bleiben – kein Löschen oder Umschreiben.
Mit Mp3tag lassen sich tausende Dateien in einem Durchlauf exportieren. Vorab jedoch immer mit einer kleinen Auswahl testen, ob alle Platzhalter richtig aufgelöst werden und die Zeilenumbrüche stimmen.
Scriptgesteuerte Exporte mit Python
Noch mehr Kontrolle bieten Python‑Bibliotheken wie mutagen oder eyeD3, die USLT‑Frames direkt auslesen können. Skriptbasierte Exporte ermöglichen:
- Sprachcode auswählen: Passenden Frame bestimmen, wenn mehrere Sprachen vorhanden sind.
- Versionshandling: Tags analysieren und bei Bedarf einheitlich kodieren.
- Protokollierung: Fehlende oder fehlerhafte Tags erfassen und später nachbearbeiten.
- Batch‑Verarbeitung: Ganzer Bestand mit wiederholbarer Logik abarbeiten.
Beispiel mit mutagen:
```python
from mutagen.mp3 import MP3
from mutagen.id3 import USLT
import os
def export_lyrics(mp3_path, out_folder):
audio = MP3(mp3_path)
lyrics_frames = audio.tags.getall('USLT')
for frame in lyrics_frames:
if frame.lang == 'eng':
filename = f"{audio.tags['TPE1'].text[0]} - {audio.tags['TIT2'].text[0]}.txt"
filename = filename.replace('/', '_')
with open(os.path.join(out_folder, filename), 'w', encoding='utf-8') as f:
f.write(frame.text)
```
Solche Skripte lassen sich problemlos mit einer automatischen Erkennung für fehlende Texte kombinieren, um Dateien für eine spätere Transkription – etwa mit SkyScribe – vorzumerken.
Fehlende Songtexte erkennen
Selbst sehr gepflegte Sammlungen haben Lücken – Instrumentals, Platzhalter („N/A“) oder gar keine entsprechenden Frames. Die Erkennung kann auf einfachen Regeln beruhen:
- Keine USLT‑Frames: Komplett fehlende Felder markieren.
- Mindestlänge: Texte unter einer bestimmten Zeichenanzahl sind oft nur Platzhalter.
- Mustererkennung: Offensichtliche Dummies per regulärem Ausdruck finden.
So entsteht eine Liste mit Dateien, die nachtranskribiert werden müssen. Für eine saubere und regelkonforme Extraktion aus Onlinequellen oder AV‑Material bietet SkyScribe eine direkte Upload‑ oder Linkverarbeitung ohne kompletten Mediendownload – ideal zum schnellen Schließen von Lücken mit strukturiertem, sprechergetagtem Text.
Exportformate und Sidecar‑Strategien
Eingebettete Texte lassen sich in verschiedenen externen Formaten sichern:
- TXT: Gut lesbar, ideal zum Archivieren und Durchsuchen.
- LRC/SRT/VTT: Mit Zeitcodes für Karaoke oder synchronisierte Anzeige. Die Umwandlung aus USLT erfordert Zeitdaten; auch ohne kann die Formatstruktur nützlich sein.
- Parallele Verzeichnisse: Sidecars in einem Verzeichnisbaum spiegeln, der dem Audio‑Archiv entspricht (
artist/album/track.txt), erleichtert das Wiederverknüpfen.
Manche Archivierende betrachten den USLT‑Frame als „Masterkopie“ und erzeugen Sidecars nach jeder Metadatenänderung neu. Für sofort einsatzbereite Untertitel im Karaoke‑Stil kann eine automatische Segmentierung (z. B. mit SkyScribe) Rohtext in sauber getimte Abschnitte verwandeln.
Exporte im großen Stil prüfen
Auch bei automatisierter Verarbeitung bleibt die Prüfung unverzichtbar. Eine skalierbare Checkliste:
- Stichproben: Einige Sidecar‑Dateien händisch mit den eingebetteten Texten vergleichen.
- Bestandskontrolle: Anzahl verarbeiteter MP3s mit exportierten Dateien abgleichen; jede Quelle sollte genau einen Export liefern.
- Dateigrößen und Prüfsummen: Kürzungen oder Kodierungsfehler über Größe oder Hash erkennen.
- Fehlerprotokolle: Liste übersprungener oder fehlgeschlagener Dateien führen; Skripte sollen problemlos fortgesetzt werden können.
- Kodierung prüfen: Einheitlich UTF‑8 (oder gewünschten Standard) verwenden, um maximale Kompatibilität sicherzustellen.
So starten nachgelagerte Schritte wie der Import in eine durchsuchbare Datenbank mit verlässlichen Texten.
Verzeichnisstruktur und Nachbearbeitung
Eine durchdachte Ordnerstruktur spart Zeit und Nerven:
- Spiegelstruktur: Innerhalb von
/lyrics/die Audio‑Verzeichnisse nachbilden. - Formattrennung:
/lyrics/txt/von/lyrics/srt/oder/lyrics/lrc/abgrenzen. - Sprachunterordner: Bei mehrsprachigen Archiven etwa
/lyrics/eng/,/lyrics/deu/.
Mögliche Nachbearbeitung:
- SRT/VTT‑Konvertierung: Für Karaoke‑ oder Untertitelprojekte.
- Suchindizierung: TXT‑Dateien in lokale Suchsysteme oder Kataloge integrieren.
- Synchronitätsprüfung: Eingebettete Texte und Sidecars vergleichen, um Abweichungen festzustellen.
Regelmäßige automatische Jobs halten die Exporte stets aktuell zu den Metadaten.
Fazit
Songtexte aus MP3‑Dateien – insbesondere aus USLT/UNSYNCEDLYRICS‑Frames – zu extrahieren, verschafft Musikbibliotheken und Archiven die Möglichkeit, eine zentrale kulturelle Informationsschicht zu bewahren. Ob als Schutz vor den Unwägbarkeiten von Streamingdiensten, Grundlage für Volltextsuchen oder Basis synchronisierter Anzeige: Sauber exportierte und geprüfte Texte sind unverzichtbar. Mit gründlicher Tag‑Analyse, Massenexport, Scripting und Lückenerkennung entsteht so ein vollständiges, durchsuchbares Textarchiv, ohne die Integrität der Sammlung zu gefährden. Für fehlende Daten, strukturierte Formate oder Zeitanpassung sorgen rechtskonforme Transkriptionstools wie SkyScribe für reibungslose Abläufe von Rohdaten bis zu fertigem, wiederverwendbarem Text.
FAQ
1. Was ist der Unterschied zwischen UNSYNCEDLYRICS (USLT) und synchronisierten Lyrics (SYLT)? USLT enthält reinen Text ohne Zeitcodes – ideal zum Lesen oder Archivieren. SYLT fügt jedem Vers Zeitstempel hinzu und ermöglicht so Karaoke‑ oder synchronisierte Wiedergabe.
2. Kann ich Texte exportieren, ohne andere Metadaten zu verändern? Ja. Sowohl grafische Tag‑Editoren als auch Skriptbibliotheken können lesend arbeiten und nur den Text ausgeben, ohne andere Metadaten wie Coverbilder zu verändern.
3. Warum zeigt mein Player manchmal Texte, die nicht eingebettet sind? Einige Player beziehen Inhalte aus Online‑Datenbanken. Um eingebettete Texte sicher zu erkennen, Datei mit Tag‑Editor prüfen und offline abspielen.
4. Wie gehe ich mit mehreren Sprachen in USLT‑Frames um? Beim Export den passenden Sprachcode (z. B. eng) auswählen oder bei Bedarf die Inhalte zusammenführen. Viele Programme zeigen nur den ersten gefundenen Frame an.
5. Wie finde ich fehlende Texte in großem Umfang? Automatisierte Skripte können Dateien ohne USLT‑Frames oder mit Platzhaltern markieren. Diese landen in einer Warteliste und werden mithilfe regelkonformer Tools transkribiert, um Metadatenlücken zu schließen.
